Wie-bringe-ichmein-Kind-zum-essen

„Wie bekomme ich mein Kind dazu, gesunde Dinge zu essen?“ Diese Frage wird mir mit Abstand am häufigsten gestellt.

Wenn ich dir jetzt sage, dass ich die Frage so nicht beantworten kann, fragst du dich vielleicht, was dich in diesem Blogbeitrag erwartet.

Ich möchte dir die größtmögliche Hilfestellung geben, dein Kind besser zu verstehen. Vielleicht findest du mit meiner Hilfe den Grund für seine Ablehnung heraus. Vielleicht hilft dir der Beitrag auch einfach nur, zuversichtlich und gelassen zu bleiben.

Die Gründe, die aus Kindern kleine Mäkler machen, sind so vielfältig wie die möglichen Wege, damit umzugehen. Beides werde ich im Folgenden für dich beleuchten.

  1. Warum will mein Kind nicht essen?

Die Erfahrungen mit meinen drei Kindern waren drei komplett Verschiedene. Das beantwortet bereits die Frage, ob die Gene schuld sind😉 Von Schuld kann ohnehin keine Rede sein. Meine Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, gibt dir aber hoffentlich dennoch wertvolle Denkanstöße.

Die gute Nachricht vorab: Eine Langzeitstudie der Universität Stanford belegt, dass auch eine längere Phase der einseitigen Ernährung bei Kindern noch nicht zu Mangelerscheinungen führen muss. Die Kinder holen sich instinktiv über kurz oder lang das, was sie brauchen. Dies zeigt, dass das Essverhalten stark in der Persönlichkeit des Kindes verankert ist.

Angst vor Neuem

Die Skepsis gegenüber neuen Nahrungsmitteln ist tatsächlich angeboren. Sobald das Kind in das selbstständige Essen „entlassen“ wird, also ab Beginn der Beikost, lauern zahlreiche Gefahren. Süßes, wie die Muttermilch oder reife Beeren gelten evolutionstechnisch als nährstoffreich und ungefährlich. Bitteres und Saures hingegen birgt das Risiko, sich zu vergiften und muss unter allen Umständen gemieden werden. Dieses Phänomen nennt man Neophobie. Sie zeigt gegen Ende des ersten Jahres eine deutliche Ausprägung und gipfelt (erst) um den vierten Geburtstag herum. Puh☹

Essen als etwas sehr Emotionales

Werte, Erfahrungen und Emotionen spielen bei Thema Essen eine weit größere Rolle, als der Verstand. Sätze, die an den Verstand appelieren, wie: „Iss, das ist gesund“ bringen schlicht und einfach nichts. Frage dich doch einmal, ob du dich mit diesem Satz überzeugen lassen würdest, etwas zu probieren, von dem Du sicher bist, dass es dir nicht schmeckt.

Abgesehen davon: Die Unterscheidung zwischen gesunden und ungesunden Nahrungsmitteln ist nicht hilfreich.

Als Erwachsene lernen haben wir gelernt, rational unser Verhalten zu steuern. Wir können uns zum Beispiel dazu durchringen, etwas Neues zu probieren. Weil das schließlich vernünftig ist. Diese rationale Herangehensweise funktioniert bei Kindern allerdings noch nicht.

Es ist nur eine Phase…

Zwei Wörter dürfen gerne herhalten, wenn es darum geht, unerwünschtes Verhalten von Kindern zu erklären: Trotz und Aufmerksamkeit. So auch beim Thema Essen. Die Worte: „Was auf den Tisch kommt, wird gegessen“ lösen im Kind mit großer Wahrscheinlichkeit den Gedanken aus: Jetzt erst recht nicht. Schnell geht es hier um kleine Machtspielchen, bei denen wir Eltern gern den kürzeren ziehen. In vielen Bereichen sitzen wir als Eltern am längeren Hebel. Nicht so beim Essen. Wenn das Kind nichts issts, dann isst es nichts. Punkt. Ein tolles Gefühl, diese Macht zu haben.

Warum beißen Kinder ihre Geschwister? Warum machen sie Dinge kaputt, wenn wir telefonieren? Warum schmeißen sie sich weinend auf den Boden? Aus dem selben Grund, aus dem sie bei Tisch den Teller nicht anrühren: Sie erregen Aufmerksamkeit. Positives Verhalten wird häufig kommentarlos als selbstverständlich hingenommen. Negatives Verhalten wird kommentiert, bestraft, hinterfragt. Schön, so viel Aufmerksamkeit😊

Die Menge macht’s

Wieviel Essen brauchen unsere Kinder eigentlich über den Tag verteilt? Weit weniger, als wir Erwachsene! Zwischen einem und vier Jahren benötigt ein Kind in etwa 90 bis 100 kcal pro Kilogramm Körpergewicht. Das ergibt bei einem 15 kg schweren Kind rund 1500 kcal. Rechne doch mal hoch: ein Gummibärchen hat ca. 8 kcal. Eine Handvoll beläuft sich bereits auf, sagen wir 100 kcal. Ein Apfel dazu, wieder 80 bis 100 kcal. Ein zartes Kind hat, die Hauptmahlzeiten hinzugerechnet, seinen Tagesbedarf ziemlich schnell erreicht. Und damit ist es satt! Vielleicht schlägt dein Kind auch beim Mittagessen in der Kita ordentlich zu. Meine Nr. drei hat phasenweise fast nichts zu Abend gegessen. Kein Wunder, hatte sie in der Kita doch bereits bis zum nachmittag ihren Tagesbedarf mehr oder weniger gedeckt.

Unverträglichkeiten

Wenn das Essen abgelehnt wird, dann ist eine der ersten Fragen: Geht es dir nicht gut? Gut möglich und meist harmlos. Wenn wir unser Kind als guten Esser kennen, dann reicht es bereits, zu beobachten, ob am nächsten Tag wieder alles ok ist. Zieht sich die Ablehnung über einige Zeit hin, kann auch eine Nahrungsmittelintoleranz im Spiel sein. Kinder haben eine erstaunliche Intuition, wenn es darum geht, Nahrungsmittel zu meiden, die ihnen nicht gut tun. Es lohnt sich, das Ganze zu beobachten: Wenn es sich um ganze Gruppen von Nahrungsmitteln handelt, dann empfiehlt sich ein Arztbesuch. Beispiele sind Milchprodukte (Lactose), Obst und Fertignahrungsmittel (Fructose), gereifter und eingelegte Lebensmittel wie Käse, Wurstwaren, Fischkonserven (Histamin). Auch anhaltende Durchfälle, Gewichtsabnahme, Blähungen und Übelkeit nach dem Verzehr von Speisen bedürfen dringend ärztlicher Abklärung.

  1. Was können wir als Eltern tun?

Die Gründe der widerwilligen Esser zu erkennen ist das eine. Vielleicht spielen viele verschiedene mit hinein, oder einer allein steht besonders im Vordergrund. In den folgenden Absätzen geht es um die Möglichkeiten, damit zumzugehen. Das Wort „Lösungsansatz“ trifft es ganz gut, denn die eine ultimative Lösung gibt es nicht. Vielmehr geht es um Ansätze, um Herangehensweisen, die es auszuprobieren gilt.

Angst vor Neuem nehmen

Kommen wir also zurück auf die Neophobie. Diese ist bei Kindern natürlich unterschiedlich stark ausgeprägt. Während bei dem einen Kind die Lust am Essen jede Skepsis im Keim erstickt, ist ein anderes Kind übervorsichtig.

Unter der schützenden Hand der Eltern können Kinder lernen, zu vertrauen. Fremde, neue Aromen müssen nicht giftig sein und können sogar gut schmecken. Als Eltern können wir diese Entdeckerfreude fördern, indem wir Neues wieder und wieder anbieten – von Anfang an – und ohne uns entmutigen zu lassen.

Von Anfang an: Unser Einfluss startet früher, als gedacht. Eine vielseitige Ernährung der Mutter in der Schwangerschaft unterstützt das Kind bereits dabei, sich zu einem offenen, neugierigen Esser zu entwickeln.

Vorbild sein

Essen ist ein sehr emotionales Thema. Es geht hier um viel mehr als die bloße Nahrungsaufnahme. Es geht um Genuss, um Geselligkeit, um Qualitätszeit. Und es geht für die Kinder auch um einen weiteren Bereich, in dem sie ihre Entdeckerfreude ausleben können. Man muss den Kindern nicht erlauben, mit den Händen zu essen, geschweige denn, sie im Essen wühlen lassen. Wenn man aber weiß, dass Kinder Dinge mit allen Sinnen erkunden (möchten und müssen), dann kann man dafür zumindest ein gewisses Verständnis entwickeln.

Aus diesem Verständnis heraus ergibt sich von allein, dass liebevolles Vorbild weit mehr bewirkt, als strenges Zurechtweisen.

Dies trifft auf viele Bereiche zu: Wir können noch so häufig wiederholen, das Kind möge seinen Teller aufessen. Oder zumindest probieren. Wenn wir selber immer Reste auf dem Teller zurücklassen und unsere Ablehnung gegenüber gewissen Lebensmitteln lautstark kommunizieren, dann dürfen wir uns nicht wundern.

Essen als Erlebnis

Das Essen ist ein Teil unseres Alltags, den wir nicht auslassen können. Viel zu schön, um ihm keine große Beachtung zu schenken.

Für mich ist der Esstisch das Zentrum meiner Familie. So kenne ich es bereits aus meiner eigenen Kindheit. Hier verbringen wir Zeit miteinander. Wir besprechen die Ereignisse des Tages – und essen. Bildlich gesehen lassen wir uns bewusst nieder, unterbrechen unsere Aktivitäten. Wir sitzen beisammen, nebeneinander oder gegenüber. Wir widmen uns unsere Zeit. Warum dann also nicht diese Zeit zu etwas ganz besonderem machen – den Tisch schön decken und Liebe in die Zubereitung der Mahlzeit investieren?

WO DIE LIEBE DEN TISCH DECKT, SCHMECKT DAS ESSEN AM BESTEN!

Wenn wir miteinander kochen oder das Essen vorbereiten, dann sind wir uns nah und nehmen dem Essen das Zweckmäßige. Wenn die Kinder helfen können, dann sind sie auch geneigt, im Anschluss ihr Werk zu probieren. Oft auch bereits nebenher in der Küche, wo gerne das ein oder andere Stück Karotte ins Mündchen wandert. Diese Vitamine sind schonmal safe😉

In satte Kinder bekommt man nichts rein!

Kinder brauchen Zwischenmahlzeiten. Die Zeit bis zur nächsten Hauptmahlzeit kann lang werden. Wenn sie also zur passenden Zeit einen leichten Snack bekommen, dann reicht das in der Regel, damit sie keinen Hunger leiden. Brenzlich wird es, wenn dauergesnackt wird. Hier noch ein Stück Apfel, da ein Keks… So ist die Hauptmahlzeit schnell in Gefahr. Die gute Nachricht: Eine Sorge weniger😉 – Du kennst schließlich die Ursache. Die schlechte Nachricht: Daraus entwickelt sich zügig ein Teufelskreis mit Dauersnacken und ausbleibendem Hunger, wenn die Hauptmahlzeit ansteht. Diese Mahlzeit liefert aber häufig wertvolle Nährstoffe, die dem Kind dann fehlen.

Was die Essenszeiten betrifft, da bin ich ziemlich streng. Direkt nach dem Frühstück oder eine Stunde vor dem Abendessen ist die Küche beispielsweise geschlossen. Natürlich gibt es Ausnahmen, für die es möglicherweise gute Gründe gibt. Das kannst du als Mama sicher gut beurteilen. Grundsätzlich aber können Kinder ab einem gewissen Alter lernen, sich an Zeiten (oder Zeitspannen) zu halten. Und auch ein kleines Hüngerchen bringt sie nicht um. Das Ergebnis ist, dass wir zu bestimmten Uhrzeiten alle gemeinsam am Tisch sitzen. Und diese wertvolle Zeit möchte ich schützen.

Das Auge isst mit

Lieblos angerichtetes Essen schmeckt nur halb so gut. Vielleicht auch gar nicht. Das gilt für uns Erwachsene genauso wie für unsere Kinder. Wenn etwas hübsch aussieht, dann hat man direkt Lust, zuzugreifen.

Ob Gesichter aus Rohkost oder einfach eine farbenfrohe Zusammenstellung. Ich liebe übrigens Pinterest, wo man sich herrlich inspirieren lassen kann. Immer gut funktioniert Finger Food, denn Kinder essen einfach gerne mit den Fingern. Vielleicht sogar umso mehr, wenn es nicht die Gabel sein muss. Möhrensticks, Süßkartoffelpommes oder auch gegrillte Maiskolben sind nur einige Ideen.

Alternativen anbieten

Der Grundsatz lautet: Die Eltern bestimmen, welche Auswahl an Lebensmitteln auf den Tisch kommt, die Kinder entscheiden, was und wieviel sie davon nehmen.

Ich entscheide, was es zu essen gibt. Als Köchin der Familie nehme ich mir das heraus. Dabei richte ich bewusst nicht den gesamten Plan nach den Kindern aus.

Jedes Familienmitglied darf sich bei uns mal etwas wünschen – auch, aber nicht nur meine Kinder. Weg kommen möchte ich von der Benennung der Gerichte als „Kinder-„ oder „Erwachsenengerichte“. Wer bestimmt das denn? Kindern wird schon von vornherein suggeriert, dass sie ohnehin kein Gemüse mögen.

Worauf ich achte: Anstelle von „Onepotgerichten“ gibt es „Mehrkomponentengerichte“. Eine Sorte Gemüse, eine andere Sorte Gemüse, Fleisch, Soße, Reis. Die Kinder haben die Wahl. Selten, dass nichts für sie dabei ist.

Alternativen anbieten heißt bei mir nicht: Alternativ zur Mahlzeit dem Kind etwas anderes kochen. Wohin das führt, kannst du dir denken…

Gemüse verstecken

Gemüse hat ein Recht darauf, erkennbar auf dem Tisch vertreten zu sein😉 Wir Eltern sind die Vorbilder, die dem Kind zeigen, dass wir gerne davon nehmen. Klar, Kinder haben eine eingebaute Antenne für besonders vitalstoffreiche Gerichte. Deswegen empfehle ich durchaus, ein wenig abzuwechseln: Getarnte Rezepte, bei denen das Gemüse kaum bis gar nicht erkennbar ist, erfüllen häufig ihren Zweck. Ob Smoothie, rote Linsen Bolognese oder cremige Gemüsesuppe, die Möglichkeiten sind vielfältig.

Essen herumreichen

Versuch doch mal, bewusst, die einzelnen Teller oder Schüsseln bei Tisch herumzureichen. Hat ein Kind erstmal so eine Schüssel in der Hand, dann steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass es davon ein wenig nimmt. Ausprobieren!

Es bleibt eine Wissenschaft für sich

Ich freue mich, wenn du bei der Lektüre meines Beitrags ein Riesen Aha Erlebnis hattest. Vielleicht bist du nun auch einfach motivierter, den Gründen bei deinem Kind auf die Spur zu kommen. Wenn du meine Lösungsansätze ausprobierst und damit erfolgreich bist: Wunderbar!

Aber, um den Kreis zum Beginn meines Beitrags zu schließen: Jedes Kind ist anders. Ein Patentrezept gibt es nicht. Nichts falsch machst du, wenn du viele Dinge ausprobierst, am Ball bleibst, zuversichtlich und entspannt bleibst. Das Licht am Ende des Tunnels kommt schneller als du denkst. Egal, ob du diesen Weg gestresst, besorgt, ungeduldig oder gelassen gehst.

Ich bin der festen Überzeugung, dass jedes Kind naturgegeben kürzer oder länger vom Wege der „ausgewogenen“ Ernährung abkommen muss. Das jüngere Kind lehnt angepriesene, gute Nahrungsmittel ab, das ältere, unabhängige Kind, probiert verpönte, ungünstige Nahrungsmittel aus. Diese Erfahrung scheint mir vorgesehen und wichtig. Meine Überzeugung sagt mir aber auch, dass wir Eltern es in der Hand haben, dass das Kind auf den von uns erwünschten Weg zurückkehrt. Irgendwann wird es sich darauf zurückbesinnen, was wir ihm vorgelebt haben.

 

 Quellen

 

 

 

 

 

 

 

 

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