Kinder-in-der-Küche

Es gibt etwas, dass du wissen musst: Die Mutter in mir und der Ernährungscoach sind nicht immer einer Meinung. Überraschung;-) Das beginnt bei klassischen Themen, wie dem absolut nicht diskutablen, mega-leckeren, weil häufig schokoladigen Eins-A-Geburtstagskuchen. Allerdings ist dieses Beispiel nicht so 100%ig  geeignet. Denn wie ich schon sagte: Dass ich meinem Kind zu seinem Geburstag seinen Wunschkuchen verwehre, ist indiskutabel. Und der Ernährungscoach in mir wird mir da auch nicht im Wege stehen, denn er ist weder kategorisch, noch dogmatisch.

Ein besseres Beispiel: Dürfen oder sollen Kinder beim Kochen helfen? Da scheiden sich schon eher die Geister und streiten sich Mama und Ernährungscoach. Als Mama bin ich total dagegen. Vielleicht stimmst du mir da zu:

  • Eine wirkliche Hilfe sind Kinder im Zweifelsfalle nicht.
  • Man braucht doppelt so lang und es wird doppelt so schmutzig.
  • Anstatt sich auf’s Kochen zu konzentrieren muss man aufpassen, dass sie sich nicht verbrennen oder schneiden.
  • Das Ergebnis sieht nicht so schön aus und gelingt auch nicht so gut.

Stimmt doch, oder?

Und was hat der Ernährungscoach dazu zu sagen?

Kinder möchten helfen, sie möchten aktiv werden und alles selber machen. An einer Mahlzeit mitzuwirken, das erfüllt sie mit Stolz. Und mindestens genauso wichtig:

  • Sie kommen mit allen Sinnen  mit den Grundnahrungsmitteln in Kontakt – sie riechen, fühlen, schmecken und sehen.
  • Sie lernen, dass frisch gekocht wird anstatt einfach eine Dose zu öffnen.
  • Sie bekommen mit, wie sich Lebensmittel bei Hitze, durch mischen oder durch mechanische Einwirkung verändern, wie aus einer Kartoffel ein Puffer wird oder aus Mehl ein Teig entsteht.
  • Sie werden neugierig und sind geneigt, das selbst Hergestellte auch zu kosten.

„Ja, aber..“, möchte ich als Mama einwenden. An diesem Punkt in meinem Entscheidungskonflikt kochen dann doch ein wenig meine Emotionen hoch. Wer schon selber mit kleinen Kindern gekocht hat, der weiß genau, was das bedeutet. Ich möchte mal deutlicher werden:

Sie reißen mir unter Geschrei den Kochlöffel aus der Hand und streiten lautstark, wer umrühren darf. Bald herrscht Chaos, der Eine weint, weil er vom Hocker geschubst wurde, der Andere, weil er nicht umrühren durfte. Als es ihm endlich gelingt, fliegt der halbe Inhalt aus der Pfanne quer über die Arbeitsfläche. Das lenkt mich so ab, dass Kind Nr. Drei ungestört sämtliche Paprikawürfel weggenascht hat, die noch untergemischt werden sollten. Naja, nicht ganz – die Hälfte liegt auf dem Boden.

Doch mein inneres Gegenüber lässt sich von meinem emotionalen Ausbruch nicht aus der Ruhe bringen. Es bleibt sachlich und kommt jetzt auch noch mit Studien um die Ecke..:

Laut einer Metaanalyse von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts korrelieren fünf Faktoren mit einer besseren Ernährungsgesundheit von Kindern: Neben gesunden Lebensmitteln und einer guten Atmosphäre beim Essen, dem guten Beispiel der Eltern und dem Ausschalten des Fernsehers ist der Faktor Nr. Fünf: Das Einbeziehen der Kinder in die Zubereitung der Mahlzeiten. Laut der Analyse waren der Body-Maß-Index und die Anzahl der Portionen an gesundem Essen Kriterien für die „Ernährungsgesundheit“.

Da hat er mich, der Ernährungscoach.

Er erwischt mich als Mama da, wo ich hypersensibel bin. Er appeliert an meine Liebe zu und die Verantwortung  für die Kinder. Natürlich möchte ich, dass meine Kinder gesund bleiben. Und das ist noch viel zu schwach formuliert: Ich habe es in der Hand, meine Kinder zu prägen und die Weichen zu stellen. Es liegt zu einem Großteil in meiner Hand, ob sie im späteren Leben übergewichtig werden oder ernährungsbedingte Krankheiten entwickeln. Diabetes, Herzerkrankungen, Schlaganfall, sogar Asthma, um nur einige zu nennen.

Beobachtungsstudien haben ergeben, dass die Ernährung des Kindes in den ersten 1000 Tagen – ab Beginn der Schwangerschaft – entscheidenden Einfluss auf seine langfristige Ernährungsgesundheit hat. Aber auch darüber hinaus ist es nie zu spät anzufangen. Solange die Kinder „ihre Füße unter unserem Tisch haben“ (was ich an dieser Stelle äußerst passend finde), sind wir als Mamas und Eltern gefragt. Vielleicht ist das ja auch ein guter Anlass – und sicher auch die Basis – zunächst mal bei uns selbst anzufangen.

Zurück zu unserer Auseinandersetzung. Warum streiten…? Solch eine innere Zerissenheit tut mir weder gut, noch führt sie zu etwas. Der Ernährungscoach und die Mama in mir, wir müssen zusammenhalten. Oder um es allgemeiner zu halten: Der Kopf und der Bauch, die Vernunft und das Gefühl, der Gesundheitsapostel in dir und der Mensch dahinter – nenne es, wie du möchtest:-)

So nach und nach finde ich meinen Weg. Mal bin ich froh, dass die Kinder anderweitig beschäftigt sind, mal hilft mir nur ein Kind und ab und zu erleben wir eine Küchenschlacht par excellence. Die plane ich vorab ein, was mir hilft, viel entspannter damit umzugehen. Und häufig und immer häufiger macht es mir Spaß. Was ist schon ein perfektes Essen und eine saubere Küche gegen diese glänzenden Kinderaugen und diese Eifrigkeit, mit der die Kinder ans Werk gehen. Und sie werden älter! So kann ich es auch als eine gute Investition sehen: Früher oder später kommt der Tag, an dem ich mich hier und da gelassen aus der Küche zurückziehen kann. Darauf freue ich mich schon:-)

 

Quellen

  • https://www.pharmazeutische-zeitung.de/gesund-essen-als-familie-so-gehts/
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/183216/Fruehkindliche-Ernaehrung-Die-ersten-1000-Tage-entscheiden
  • https://www.ugb.de/kinder-gesund-ernaehren/ernaehrungserziehung-kinder-brauchen-vorbilder/

 

 

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