Immunsystem stärken

Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder, und der Herbst beginnt…

… Rein kalendarisch zumindest. Das Wetter ist uns nach wie vor hold, als wolle es uns ein wenig für die Unannehmlichkeiten entschädigen, die wir alle auf uns nehmen müssen. Nasskalte Herbsttage sind in unseren Gedanken noch weit weg.

Die Erkältungssaison naht trotz allem mit großen Schritten. Wie werden wir das managen, wenn sie uns einholt; wenn wir bei schon eher banalen Infekten oder dem Dauergast Husten regelmäßig unser Kind zuhause haben?

Na klar, wir müssen das Immunsystem stärken – unser eigenes und unbedingt das unserer Kinder. Hört sich nicht so schwierig an, in der Apotheke kommt die Frage aktuell aber sehr häufig:

Kann ich bei ihnen etwas kaufen, um das Immunsystem meines Kindes zu stärken?

Übrigens: ein Kind, das maximal 12 Infekte pro Jahr hat, hat noch kein schlechtes Immunsystem. Das ist vielmehr ganz normaler Durchschnitt, solange der kleine Organismus und somit das Immunsystem noch nicht voll ausgereift sind.

Man könnte mir mangelnde Geschäftstüchtigkeit vorwerfen, denn meine Antwort auf die Frage, was zu tun sei, lautet ungefähr: Ich empfehle ihnen nicht, Ihrem Kind über eine längere Zeit Nahrungsergänzungsmittel zu verabreichen. Das betrifft natürlich ansonsten gesunde Kinder, die nicht auf ärztliche Empfehlung hin spezielle Präparate einnehmen müssen.

Vitaminpräparate bei Kindern – was dagegen spricht

Einige Gründe sprechen eindeutig dagegen, kleinen Kindern Multivitaminpräparate zu verabreichen.

  • Ein Nahrungsergänzungsmittel ist immer auch ein synthetisches Präparat mit diversen Zusatzstoffen. Die Notwendigkeit der Einnahme sollte immer kritisch hinterfragt und auf ein Minimum reduziert werden. Dies gilt auch und insbesondere für Kinder.
  • Pflanzliche Präparate werden häufig bevorzugt und als harmlos betrachtet. Bitte berücksichtige aber, dass Auszüge (Extrakte) aus Pflanzen häufig eine ganze Reihe an Inhaltsstoffen haben, die nicht immer bis aufs Letzte erforscht sind. Zudem sind sie auch nicht per se ungefährlich und ohne Nebenwirkungen. Ein klassisches Beispiel sind Präparate aus dem Purpursonnenhut, besser bekannt als Echinacea, die nicht ohne Grund erst für etwas ältere Kind und ausschließlich für die kurzzeitige Anwendung zugelassen sind. Bei zu hoher Dosierung oder längerer Anwendung kann es zu Bauchschmerzen und Übelkeit kommen. Auch ist das Risiko gegeben, dass insbesondere Kinder allergisch auf Echinacea Präparate reagieren.
  • Überdosierungen können allgemein bei allen Arten von Nahrungsergänzungsmitteln auftreten. Dies passiert insbesondere dann, wenn verschiedene Präparate parallel eingenommen werden und bei Unwissen über die genaue Zusammensetzung.
  • Um Kindern Vitaminpräparate schmackhaft zu machen, werden sie häufig mit einer erheblichen Menge Zucker versetzt oder sogar gleich als Gummibärchen produziert. Ich persönlich möchte nicht, dass meine Kinder auf diese Art wie selbstverständlich täglich ihre Extraportion Süßes erhalten.

Bei uns zuhause gibt es zwei Ausnahmen, was Mikronährstoffe in Tablettenform betrifft: Zum einen bekommen die Kinder Vitamin D, welches der Körper nur im Hochsommer und bei Abwesenheit von Sonnencreme in nennenswerten Mengen selber herstellen kann. Auch über die Nahrung lässt sich der Bedarf nicht decken. Zum anderen gebe ich ihnen die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA, welche essenziell für eine gesunde Hirn- und Herzkreislaufentwicklung sind und ebenfalls häufig in zu geringen Mengen über die Nahrung aufgenommen werden.

Wie kannst du nun das Immunsystem deines Kindes stärken?

Die große Frage lautet nun: Was kannst du tun, um das Immunsystem deines Kindes auf bestmögliche Weise zu stärken und zu unterstützen?

  • Das Offensichtliche vorab: Eine vielfältige und ausgewogene Ernährung kann dem Körper fast alles bieten, was er für ein gutes Funktionieren des Immunsystems braucht. Unsere Körperpolizei braucht dabei weit mehr als nur Vitamin C und Zink. Wenn diese auch ganz vorne mit dabei sind. Vitamin C findet sich z.B. in Brokkoli, Paprika, Petersilie und Kiwi, Zink ist Bestandteil von Haferflocken, Vollkornprodukten und Nüssen. Dein Kind ist wählerisch bei der Auswahl der Nahrungsmittel? Kein Grund zur Sorge, so schnell entsteht kein Mangel. Untersuchungen zeigen, dass Kinder auch über längere Zeit einseitiger Ernährung keinen Nährstoffmangel erleiden. Die Natur hat mitgedacht;-)
  • Verschiedene Vitamine und Mineralstoffe sind in einem feinen Zusammenspiel dafür zuständig, dass im Körper Abwehrprozesse reibungslos ablaufen und die Immunabwehr funktioniert. Das Stichwort lautet also: So bunt und vielfältig wie möglich, dann ist von allem etwas dabei.
  • Tierische und besonders gerne auch hochwertige pflanzliche Eiweiße dienen als Baustoffe. Sie bilden unsere Enzyme, die wichtige Prozesse vorantreiben, sowie unsere Antikörper, die Krankheitserreger abwehren. Eiweißquellen sind beispielsweise mageres Fleisch, Geflügel, Fisch, sowie Nüsse und Hülsenfrüchte.
  • Ballaststoffe sind mitnichten Ballast. Sie sind wesentliche Bestandteile von Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten. Sie dienen unseren guten Darmbakterien als Futter und halten die Darmschleimhaut gesund. Der Darm besitzt ca 80 % unserer Immunzellen. Dies lässt darauf schließen, dass ein gesunder Darm eine wichtige Voraussetzung für einen gesunden Körper und ein gutes Immunsystem ist.
  • Nochmal zur Darmgesundheit, weil es mir so wichtig ist: Alles, was für den Darm fremd und nicht nutzbar ist, stört auf empfindliche Weise das Gleichgewicht seiner Bakterienzusammensetzung. Auch Vitamine aus der Dose. Fremdstoffe reizen die Darmschleimhaut und diese kann auf Dauer Schaden nehmen. Hier kommen wir automatisch auf einen anderen Störfaktor zu sprechen: Antibiotika. In vielen Fällen sind sie notwendig und können Leben retten. In vielen anderen Fällen werden sie leichtsinnig oder vorschnell verordnet. Antibiotika sollen Bakterien abtöten. Das tun sie auch. Und zwar die krankmachenden Bakterien genauso wie die, die wir brauchen. Eine einzige Antibiotikakur kann langfristige Folgen für die Darmgesundheit und für das Immunsystem haben. Sollte sich die Anwendung nicht verhindern lassen, empfehle ich unbedingt, begleitend und darüber hinaus, dem Kind Probiotika zu verabreichen, die helfen können, das Gleichgewicht im Darm wieder herzustellen. Lass dich dazu gern in der Apotheke beraten!
  • Fermentierte Produkte sind Produkte, deren organische Inhaltsstoffe durch die Anwesenheit von Bakterien in Bestandteile umgewandelt werden, die unserem Körper – und unserem Darm zugute kommen. Hierzu zählen Joghurtkulturen ebenso wie Kefir, Sauerkraut, Hefe oder Kombucha. Auch Sauerteigbrot ist ein fermentiertes Produkt.

Was das Immunsystem sonst noch stärkt

Die Ernährung ist natürlich ganz vorne mit dabei, wenn es gilt, das Immunsystem bestmöglich zu unterstützen. Der Vollständigkeit halber und weil es so wichtig ist, möchte ich dennoch kurz auf weitere Faktoren eingehen, die die Abwehr stärken.

  • Bewegung ist gesund, das muss ich dir nicht erzählen. Doch nicht nur für die Figur und das Herz-Kreislaufsystem, auch die körpereigene Abwehr wird dadurch nachweislich gesteigert.
  • Noch besser, wenn die Bewegung an der frischen Luft statt findet, zumal auch (zur Sommerzeit) die Vitamin D Bildung angeregt wird.  Auch Vitamin D leistet einen positiven Beitrag für das Immunsystem.
  • Wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt, ist es ein unbeschriebenes Blatt. Dies gilt auch für die Immunabwehr, die der Körper erst noch lernen muss. Dazu ist es wichtig, dass das Kind sich über die ersten Jahre intensiv mit diversen Erregern auseinandersetzt. Dies trainiert die Abwehr und fördert die Bildung schützender Antikörper. Vielleicht hast du schon gehört, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, seltener krank sind. Ist kein Gerücht;-)
  • Händewaschen! Wir können es momentan kaum noch hören… Aber nach fast sieben corona-erprobten Monaten schaffen es meine Kinder inzwischen, auf kürzestem Wege das Waschbecken aufzusuchen, wenn sie nach Hause kommen. Gründliches Händewaschen entfernt bis zu 80% der Erreger an den Händen.
  • Impfen nach den Empfehlungen der StiKo (Ständige Impfkommission).  Ja, das ist eine immunstärkende Maßnahme. Warum? Bei jeder Impfung kommt der Körper mit einer geringen Dosis abgeschwächter oder abgetöteter Krankheitserreger in Kontakt. Dadurch wird er nicht krank, doch die Dosis reicht aus, um die Produktion von Abwehr- und Gedächtniszellen in Gang zu setzen. Wenn dieselben Erreger wieder auf den Körper treffen, erinnert er sich buchstäblich und kann die Attacke besser abwehren.

Ich fasse zusammen:

Ein Kind, welches – so gut eben möglich – ausgewogen,  abwechslungsreich und darmfreundlich ernährt wird, sich gerne und viel und an der frischen Luft bewegt, das hat schon viel getan für ein funktionierendes Immunsystem. Wenn es dann noch gängige Hygieneregeln beherrscht, ohne es mit der Hygiene allzusehr zu übertreiben, dann freut sich unsere Körperpolizei über die tatkräftige Unterstützung. Impfungen entsprechend aktueller Empfehlungen der StiKo können das Immunsystem zusätzlich trainieren, indem die Bildung von Abwehrstoffen gefördert wird.

 

Quellen

  • https://www.nzz.ch/wissenschaft/medizin/immunsystem-ld.149898
  • https://www.kinderaerzte-im-netz.de/altersgruppen/schulkinder/gesundheitstipps/viel-frische-luft-gesunde-ernaehrung/
  • https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/projekt-klartext-nem/calcium-vitamin-d-oder-omega3fettsaeuren-benoetigen-kinder-nahrungsergaenzungsmittel-13322#:~:text=Zwei%20gro%C3%9Fe%20deutsche%20Studien%20%2D%20DONALD,Mineralstoffe%20Eisen%2C%20Jod%20und%20Calcium.

 

 

 

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