MythenundWahrheiten

Wir alle, Mamas und Papas, wollen alles richtig machen. So viel ist klar. Vom Laufrad bis zum Schulranzen, von der Auswahl des passenden Kindergartens bis zum Aufspüren pädagogisch wertvoller Freizeitangebote. Überall wird sich informiert, ausgetauscht, recherchiert, um dann am Ende die perfekte Wahl zu treffen. Noch wichtiger wird verlässliche Information, wenn es um die Gesundheit und eine gute Entwicklung unserer Kinder geht.

Aber nicht nur das ’sich informieren‘ ist wichtig. Von entscheidender Bedeutung ist vielmehr eine verlässliche Quelle. Gerade, was die optimale Ernährung betrifft, kann man sich vor einer Flut von Infos und schlauen Ratschlägen kaum retten. Zum einen meint jeder, den man fragt, genau wissen zu wollen, wie eine ausgewogene Kinderernährung auszusehen hat. Zum anderen mischen sich noch die großen Lebensmittelkonzerne ein, die ihre Produkte an den Mann bringen möchten. Bevor ich ein paar Ernährungsmythen entlarven werde, ist es mir sehr wichtig, dir vorab noch ein paar Dinge ans Herz zu legen, mit denen du immer gut fährst:

Mythos oder Wahrheit?

Los gehts:

  1. Kohlenhydrate sind schlecht

Gerade, wenn  man selbst mal wieder der Meinung ist, ein paar Kilos abnehmen zu müssen, wird man häufig mit dieser Aussage konfrontiert. Ich persönlich bin kein Fan von Low Carb – dennoch mag es für den ein oder anderen ERWACHSENEN ein Ansatz sein. In der Kinderernährung allerdings sind Kohlenhydrate essenziell. Warum aber haben sie so einen schlechten Ruf? Wichtig ist zunächst mal die Unterscheidung einfacher und komplexer Kohlenhydrate. Die einfachen, zum Beispiel reine Glucose oder Fructose, sind z.B. vertreten in Süßigkeiten, Haushaltszucker, Marmelade und Fruchtsäften. Man kann auch einfach Zucker dazu sagen und natürlich sollte man die betreffenden Lebensmittel in Maßen genießen. Einfache Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel sehr schnell ansteigen, genauso schnell wieder abfallen und in der Folge entsteht Heißhunger. Die Sättigung bleibt aus. Außerdem verursachen sie Karies, sind also nichts für kleine Kinderzähne.

Dem gegenüber stehen die komplexen Kohlenhydrate und die sind super wichtig für unsere Kinder. Es handelt sich um lange Zuckerketten, die der Körper aber nicht so einfach und schnell spalten kann. Er muss dafür mehr Energie aufwenden. Deswegen werden sie auch nicht so schnell ins Blut aufgenommen. Die Blutzuckerkurve steigt langsam and und fällt langsam und stetig wieder ab. Dies sorgt für konstante und lang anhaltende Sättigung. Kinder (wie aber auch Erwachsene) benötigen diese komplexen Kohlenhydrate, aus denen sich der Körper die Glucose holt, die er zum Leben braucht – zum Beispiel fürs Gehirn. Zu finden ist diese Art von Kohlenhydraten in Vollkornprodukten, Kartoffeln und Gemüse. Durch die entsprechende Lebensmittelauswahl erhält man automatisch gesunde Fette, viele Vitamine und wertvolle Ballaststoffe. Die Wichtigkeit von letzteren kann ich gar nicht oft genug betonen, denn sie halten den Darm gesund und stärken unser Immunsystem.

Kohlenhydrate sind also an sich nichts Schlechtes, die richtige Auswahl ist entscheidend.

2. Obst und Gemüse immer mit Schale essen

Ich nehme es vorweg: Im Grunde richtig. Dennoch ist das nur die halbe Wahrheit. Um Obst oder Gemüse mit Schale zu essen, ist es wirklich wichtig, dass die Schale „sauber“ ist. Konventionelle – also nicht-Bio-Produkte werden erheblich mit Pestiziden gespritzt, die keineswegs genießbar sind. Hier gilt: gründlichst waschen, abbürsten oder vielleicht doch besser schälen, denn diese Rückstände zu entfernen, ist gar nicht so leicht. Bei Biosorten steht nach einem gründlichen Waschen/Abbürsten dem Verzehr mit Schale nichts entgegen. Dies gilt für Äpfel, Birnen, Gurken oder Karotten, um ein paar Beispiele zu nennen. Man weiß durch Untersuchungen, dass in der Schale von Äpfeln die siebenfache Menge an Vitaminen und Mineralstoffen sitzt, wie im Inneren. Bei Gurken ist das noch bedeutsamer, da ihr Inneres hauptsächlich aus Wasser besteht.

Aber aufpassen: Kartoffeln enthalten in ihrer Schale eine bestimmte Sorte Alkaloide, die ab einer bestimmten Menge gesundheitsschädlich sind, besonders für Kinder. Kartoffeln deshalb am besten immer schälen.

3. Kuhmilch ist für den Aufbau der Knochen unverzichtbar

Über die Kuhmilch wird immer wieder heiß diskutiert. Ist sie gut oder schlecht? Warum trinken wir Muttermilch einer Kuh? Macht sie stark oder dick oder krank?

Wie immer geht es hier meiner Meinung nach um das richtige Maß. Milch enthält eine Menge Calzium und ist definitiv in den ersten Lebensjahren die beste Quelle für dieses Mineral. Ich plädiere immer dafür, ab nach der Stillzeit Kuhmilch in den Speiseplan zu integrieren. Solange das Kind sie verträgt. Hier reicht aber eine Menge von 250 ml pro Tag – bitte nicht mehr. Das gilt für die Kleinsten, denen man sie in den Brei tut, wie auch für die Größeren, die die  Kuhmilch in ihrem Müsli oder als Joghurt essen können. Es gibt Inhaltsstoffe in der Kuhmilch, die umstritten sind und im Verdacht stehen, die Entstehung von Krebs zu fördern. Andererseits soll sie auch bezüglich anderer Krebsarten – hemmende, also günstige Inhaltsstoffe haben. Es gibt Studien, die besagen, dass eine zu große Menge an tierischem Eiweiß, also zum Beispiel aus Milchprodukten, in einer bestimmten Phase, nämlich im Übergang des Kindes zur Familienkost, die Entstehung von Übergewicht im späteren Leben fördert. Hier geht es um die Menge. Alles, was übertrieben wird, ist meistens ungünstig.

Vieles spricht dafür, Milch in Maßen zu genießen. Durch die Zufuhr kleiner Mengen sichert man sich und dem Kind viele wertvolle Nährstoffe.

Ist Milch nun unverzichtbar für starke Knochen? Für Kinder in der Zeit des Wachstums würde ich sagen: jein. Um dem Kind ohne Kuhmilchprodukte eine ausreichende Menge an Calzium zuzuführen, sollte man sehr gut informiert sein und genau wissen, welche Nahrungsmittel auf dem Speiseplan stehen sollten. Häufig sind dies Nahrungsmittel, die Kindern nicht so gut schmecken, wie z.B. grüne Gemüsesorten. Milch dagegen mögen die meisten Kinder. Für ausgewachsene Erwachsene ist eine ausgewogene Ernährung ohne Milchprodukte mit ein bisschen Nährstoffwissen auf jeden Fall machbar.

Ein wichtiger Hinweis noch zum Schluss: Die vielen Getreide- und Pflanzendrinks, die sich bewusst nicht „Milch“ nennen dürfen, sind keine Alternative zu Kuhmilchprodukten – was die Inhaltsstoffe betrifft. Viele dieser Drinks sind relativ nährstoffarm, nicht nur, was Calzium betrifft. Auch der Eiweißgehalt ist häufig geringer. Sojadrink wird in der Kleinkindernährung wegen des sehr hohen Potenzials, Allergien auszulösen, nicht empfohlen.

4. Vollkornbrötchen sind Vollkornbrötchen

Wie, bitte, ist das denn zu verstehen? Genau so! Dieses Thema ist mir persönlich sehr wichtig, da ich als ausgemachter Vollkornfan immer auf der Suche nach 100%igen Vollkornbrötchen war. Vorab zur Info: Wenn sich ein Brötchen Vollkornbrötchen nennt, dann enthält es zu mindestens 90% Vollkorn. Also doch kein Mythos. Aber das heißt es, erstmal zu finden. Den Bäckern fällt da jede Menge ein, um einem Brötchen den Anschein zu geben, es sei aus Vollkorn. Da wird z.B. der Teig mit Rüben- oder Karamellsirup eingefärbt. Da will man besonderes gesund essen und bekommt dann auch noch die Extraportion Zucker!! Auch die Bezeichnungen täuschen oft. Namen wie „Chiabrötchen“, „Korn-quark-Stange“ oder „Kornkracher“ erwecken die Annahme, man habe soeben das allergesündeste ausgewählt. Häufig ist hier aber an Vollkorn nicht viel zu haben.

Mein Tipp: Vollkornbrötchen heißen Vollkornbrötchen:-) Noch besser: Ab zum Biobäcker – oder noch viel besser: selber backen!

Dafür teile ich jetzt noch schnell meinen All-time-Favourite mit Dir:

Für 12 kleine Quark-Vollkornbrötchen brauchst du:

400 g Weizen- oder Dinkelvollkornmehl

1 TL Backpulver

100 g zarte Haferflocken

400 g Quark

100 ml Wasser

2 TL Salz

2 Eier

Zubereitung:

Trockene Zutaten vermengen, mit Quark, Wasser und Eiern zu einem Teig kneten. Kleine Häufchen auf ein Blech mit Backpapier setzen, nach Belieben mit Saaten bestreuen und im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad ca 20 bis 25 Minuten backen.

 

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