NEM-für-Kinder

„Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“. „Calcium wird für den Erhalt normaler Knochen benötigt“. „Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen“.

Diese sogenannten Health Claims, die man auf Lebensmitteln aller Art lesen kann, unterliegen einerseits genauen gesetzlichen Regelungen – andererseits verunsichern sie eben doch.

Mit diesem Beitrag möchte ich dir die Entscheidung erleichtern, ob dein Kind Nahrungsergänzungsmittel braucht und dir die Angst nehmen, etwas falsch zu machen. Außerdem erläutere ich:

  • Was es mit Health Claims auf sich hat.
  • Worum es bei der optmierten Mischkost geht.
  • Ob Spatzenesser in ständiger Gefahr sind.
  • Was sind kritische Nährstoffe und wie sieht es damit aus?
  • Wie ich über Nahrungsergänzungsmittel für Kinder denke.

Health Claims – gesundheitsbezogene Aussagen

Sie zieren etliche Lebensmittel und sind dabei vor allem eines: Werbung für die Hersteller, welche ihren Lebensmitteln Vitamine oder Mineralstoffe künstlich zugesetzt haben.

Die gute Nachricht vorab: Die über 200 erlaubten gesundheitsbezogenen Aussagen zu diversen Lebensmitteln sind an sich korrekt. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat all diese Aussagen wissenschaftlich überprüft. Was nicht haltbar war, wurde verboten.

Doch verunsichert sind wir trotzdem. Heißt das, wir sollten unserem Kind diese Nährstoffe besser noch zusätzlich in Pillenform geben? Wenn sie doch so wichtig sind… Was diese gefährliche Schlussfolgerung bedeuten kann, dazu später mehr.

Kinder brauchen – ebenso wie wir Erwachsenen, eine ausgewogene, vielseitige Ernährung, um gesund zu bleiben und sich gut zu entwickeln. Darüber sind wir uns glaube ich einig. Wie kann diese aussehen?

Die optimierte Mischkost „OptimiX“

Bereits in den 90er Jahren wurde in Deutschland das Prinzip der „optimierten Mischkost“ entwickelt.

Kein komplizierter Ernährungsplan, sondern lediglich Ernährungsempfehlungen, die angeben, welche Nahrungsmittel über den Tag verteilt angeboten werden sollten.

Das gewährleistet eine weitestgehende Deckung des Bedarfs an Vitaminen und Mineralstoffen über den Tag und kann ernährungsbedingten Krankheiten vorbeugen.

Die Empfehlung in zwei Sätzen: Fünf Mahlzeiten über den Tag sind optimal: Bestehend aus (zuckerfreien) Getränken, Obst und Gemüse, Kartoffeln und (idealerweise Vollkorn-) Getreideprodukten, Milchprodukten, magerem Fleisch- und Wurstwaren, Eiern und Fisch, Fetten und Ölen. Auch Fertiggerichte in Maßen sind tolerierbar, wenn sie kombiniert werden mit frischem Obst und Gemüse.

Mein Kind ist aber ein Spatzenesser

Mit Gemüse kann ich es jagen. Hat es dadurch einen Nährstoffmangel?

Kein Kind baut von einem Tag auf den anderen einen Nährstoffmangel auf. Erfahrungswerte zeigen, dass selbst längere Phasen des einseitigen Essens noch kein Grund zur Besorgnis sind. Gegen Ende des ersten Lebensjahres, wenn das Kind ggf. nicht mehr gestillt wird bzw. mehr an der Familienkost teilhat, muss es lernen, sich zu schützen:

Evolutionstechnisch gesehen geht von bitteren und fremden Nahrungsmitteln immer eine Gefahr aus. Süßes hingegen ist immer ungiftig (Muttermilch, Beeren). So ist seine Ablehnung fremden und neuen Nahrungsmitteln gegenüber eigentlich angeboren. Diese Phase hält gerne über Jahre an. Hier hilft es, gelassen zu bleiben, neue Nahrungsmittel IMMER und immer wieder anzubieten und vor allem, dem Kind ein gutes Vorbild zu sein. Diese Zeit der Ablehnung geht vorüber. Früher oder später. Deswegen hat noch lange nicht jeder schwierige Esser einen Nährstoffmangel!

Vertrau Deinem Kind und achte darauf, wie es ihm geht. Anhaltende Blässe oder Gewichtsabnahme wären Zeichen, dass wirklich etwas nicht stimmt. Häufig haben Kinder auch eine Intuition dafür, was sie nicht vertragen. Du als Mama weißt am besten, wenn etwas komisch ist. Bei Auffälligkeiten sollte natürlich immer ein Kinderarzt zurate gezogen werden.

Zum Thema Nährstoffversorgung gibt es ein interessantes Experiment einer Kinderärztin, die bereits vor ca 90 Jahren Erstaunliches herausgefunden hat. Mehr dazu am Ende dieses Beitrags.

Was hat es mit kritischen Nährstoffen auf sich und wie kann man deren Bedarf decken?

Kritische Nährstoffe gibt es tatsächlich: Jod und Folsäure. Diese beiden Nährstoffe werden auch über die optimierte Mischkost nicht ohne weiteres gedeckt. Folsäure ist sehr anfällig gegenüber Luft, Lagerung und Hitze. Jod ist nur in ausgewählten Nahrungsmitteln enthalten, wie z.B. Fisch und konventionellen Milchprodukten. Seit 2002 darf das Speisesalz in Deutschland mit Jod und Folsäure angereichert werden. Ein sparsames Salzen der Gerichte bei Kindern über einem Jahr kann ein wertvoller Beitrag zur Deckung des Jod-und Folsäurebedarfs sein. Zwei bis fünf Gramm Salz pro Tag sind unbedenklich und von der WHO empfohlen.

Neben Jod und Folsäure, welche „offiziell“ als kritisch eingestuft werden, sollte auch ein Augenmerk auf die Versorgung mit Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren gelegt werden. Vitamin D ist, wie man inzwischen weiß, ein Tausendsassa. Eine ausreichende Versorgung soll vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, das Immunsystem stärken und die Knochen profitieren sowieso. Da es der Körper nur über UV-Strahlen auf uneingecremter Haut bilden kann, sind Kindern besonders anfällig für einen Mangel. Omega-3-Fettsäuren sind beliebter Gegenstand der Forschung. In Studien wird ihr Einfluss auf Sehkraft, Entwicklung des kindlichen Gehirns und des Denk- und Erinnerungsvermögens untersucht und ist teilweise bereits belegt. Die wirksamen Formen dieser Fettsäuren sind fast ausschließlich in fettreichen Kaltwasserfischen enthalten. Diese müssen zudem von hochwertiger Qualität (Bio) sein und mindestens zweimal die Woche auf den Tisch kommen.

Welche Vitaminquellen gibt es neben Obst und Gemüse noch?

Obst und Gemüse. Daran denkt man, wenn es um Vitamine geht. Zum einen besteht eine gesunde Ernährung aus mehr als nur Vitaminen. Auch Mineralstoffe, Antioxidanzien und z.B. hochwertige Fettsäuren sind Bestandteil einer guten Ernährung. Da macht es die Vielfalt: So bunt und abwechslungsreich wie möglich – diese Regel ist einfach zu merken!

Desweiteren enthalten auch Vollkornprodukte, Nüsse und z.B. Fleisch Vitamine. Auch hier kann ich es kurzfassen: Bunt und abwechslungsreich essen. Wähle häufiger Vollkornprodukte, verwende hochwertige Öle und gib Nüsse und Saaten über das Essen.

Sind Nahrungsergänzungsmittel nun ein wertvoller Zusatz oder nicht?

Pauschal gesehen eindeutig nein. Eine gezielte Ergänzung durch Nahrungsergänzungsmittel sollte nur auf ärztlichen Rat erfolgen. Auch macht ein Vitaminstatus und eine Messung des Blutspiegels Sinn, solltest du dir ernsthaft Sorgen machen. Über die tägliche Ernährung kann der Vitalstoffbedarf weitestgehend gut gedeckt werden – ein paar Dinge vorausgesetzt:

  • Kaufe Obst und Gemüse frisch und bereite es frisch zu – so bleiben die meisten Nährstoffe erhalten. Im Zweifelsfalle lieber kurz blanchieren und einfrieren.
  • Folsäure ist hitze-/lager- und lichtempfindlich. (grünes Blattgemüses, Erdbeeren, Tomaten) Auch hier gilt: Kaufe entsprechende Nahrungsmittel frisch, verarbeite sie zügig und biete sie auch einfach mal roh an . Klassiker: Grüner Smoothie – eine Banane mitpürieren, so schmeckt er vielleicht auch dem kleinen Mäkler😉
  • Kaufe kaltgepresste Pflanzenöle in Bioqualität, die reich an ungesättigten Fettsäuren sind, z.B. Leinöl, Rapsöl, Walnussöl, auch ein Olivenöl ist super gesund. Am besten erst kurz vor dem Verzehr über das Essen geben.
  • Auch das Salz gern am Schluss über das Essen geben. Zum einen bekommt jeder die passende Menge, zum anderen wird so die wertvolle Folsäure nicht zerstört.
  • Esst zweimal die Woche Fisch. Hier ist auch Bioqualität das A und O. Eine bessere Quelle für Omega-3-Fettsäuren gibt es kaum.

Nahrungsergänzungsmittel: Wie ich das handhabe und Ausnahmen bestätigen die Regel

Die Empfehlung lautet: Ab zwei Wochen nach der Geburt bis zum zweiten erlebten Frühsommer solltest du deinem Kind 500 I.E. Vitamin D pro Tag geben. Ich habe das darüber hinaus getrost beibehalten, zumindest über die Winter. Vitamin D ist in wenigen Nahrungsmitteln und dort in nicht ausreichender Menge enthalten. Unser Körper bildet es selbst, wenn wir Großteile der Haut im Sommer uneingecremt über längere Perioden der Sonne aussetzen. Was für Erwachsene noch unter großer Vorsicht umsetzbar erscheinen mag, sollte für Kinder tabu sein. Ihre Haut ist noch viel empfindlicher. Fakt ist aber: Schon bei einem LSF von 10 wird die Vitamin D Produktion um ca 90% gedrosselt. Fazit: Vitamin D Gabe ergibt Sinn. Dennoch sollte der Blutspiegel beizeiten (ca einmal im Jahr) überprüft werden.

Bei uns gibt es nicht zweimal die Woche Fisch. Da bin ich ehrlich. Hier, mitten in Deutschland bekommt man nicht an jeder Ecke fangfrischen Fisch in Bioqualität. Der Gehalt an hochwertigen Omega-3-Fettsäuren schwankt je nach Fischsorte, Herkunft und Qualität stark. Für Algen, die eine perfekte Quelle darstellen, sind meine Kinder leider nur bedingt zu haben😉 Wir nehmen Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel ein, von klein bis groß. Der Nutzen der ausreichenden Versorgung sowie die möglichen Erkrankungen durch Mangel überzeugen mich. Wenn du mehr zu Dosierungen und Präparaten wissen möchtest, schreibe mir gern eine Email an katja@katjasalzig.de

Von diesen beiden Ausnahmen abgesehen vertraue ich auf eine ausreichende Versorgung meiner Kinder über die Ernährung.

Kann ich mein Kind vegetarisch oder vegan ernähren, ohne, dass es einen Mangel bekommt?

Vegetarisch auf jeden Fall. Ein paar Kleinigkeiten gibt es dazu zu wissen. Vegan ist da schon ein bisschen kniffliger und man sollte genau abwägen, ob man sein Kind so ernähren möchte.

Eine ausführliche Beratung kann ich an dieser Stelle nicht leisten, du kannst mir aber gerne eine Email an katja@katjasalzig.de schreiben.

Experiment zum Ernährungsverhalten von Kleinkindern von Dr. Clara Davis

Vor ca. 90 Jahren startete eine amerikanische Kinderärztin ein bemerkenswertes Experiment. 15 Kinder im Beikostalter bekamen als erste Nahrung (quasi im Baby led Weaning Stil) täglich eine Auswahl aus 34 unverarbeiteten, naturbelassenen Nahrungsmitteln vorgesetzt (darunter Obst und Gemüse genau wie Eier, Milch, Hirn und Knochenmark), aus der sie frei wählen konnten. Die Kinder entschieden also ausschließlich selbst, was sie zu sich nahmen. Das alles über einen Zeitraum von sechs Jahren. Die Ergebnisse waren überraschend:

  1. Die Verdauung der von den Kindern gewählten Lebensmittel war optimal.
  2. Die Nahrungswahl resultierte in optimalem Wachstum, Gewichts- und Knochenentwicklung, Muskulatur, Vitalität und Wohlbefinden.
  3. Die Ernährung entsprach weitestgehend den Empfehlungen der heutigen Ernährungspyramide.
  4. Keines der Kinder wurde während der Dauer der Studie über- oder untergewichtig.
  5. Ernährungsbedingter Durchfall oder Erbrechen kamen nicht vor.
  6. Skelett und Muskulatur dieser Kinder entwickelte sich hervorragend.
  7. Jedes Kind hatte andere Vorlieben, die teilweise auch einseitig anmuteten.
  8. Die Kinder änderten häufig ihre Ernährungsgewohnheiten während Krankheitsphasen, bis sie wieder gesund waren (z.B. wählten sie Lebertran).

Auch, wenn ein solches Experiment heute nicht mehr denkbar wäre, es zeigt, dass Kinder eine hervorragende Intuition haben und ein bisschen Vertrauen in ihre Ernährungsweise nicht schadet. Nach dem Motto: Wir entscheiden, welche Auswahl wir vorsetzen (und diese macht den Unterschied!), die Kinder entscheiden, was und wieviel sie davon nehmen.

Fazit

  • Eine abwechslungsreiche, bunte Ernährungsweise liefert deinem Kind alles, was es braucht, um gesund zu bleiben. Dies gilt natürlich für grundsätzlich gesunde Kinder.
  • Selbst in längeren Phasen der Ablehnung darfst du entspannt bleiben und konsequent mit gutem Beispiel voran gehen. Gesundheitliche Auffälligkeiten oder Unverträglichkeiten sollten aber immer abgeklärt werden.
  • Anreicherungen bestimmter Lebensmittel können sinnvoll sein, wenn es sich um kritische Nährstoffe handelt (siehe Jodsalz mit Folsäure). Im Allgemeinen handelt es sich hier aber um Marketingmaßnahmen um (teilweise ungesunde Lebensmittel) gesund erscheinen zu lassen. Oder sie sind einfach praktischer Natur (Vitamin C als Antioxidans). Da keine Mengenangeben bezüglich dieser Zustätze vorgeschrieben sind, besteht die Gefahr von Überdosierungen über den Tag verteilt. Wenn du frische und naturbelassene Zutaten einkaufst, kannst du solchen Lebensmitteln recht einfach aus dem Weg gehen.
  • Nahrungsergänzungsmitteln sind pauschal gesehen nicht notwendig. Die Ausnahmen habe ich dir weiter oben erläutert. Auch im Krankheitsfall oder bei festgestelltem Mangel sieht es wieder etwas anders aus.
  • Was mir wichtig ist, zu sagen: Lass dich nicht verunsichern von komplexen Ernährungsregeln und gesundheitsbezogenen Aussagen. Sich informieren ist immer wichtig. Die Infos solltest du aber immer kritisch hinterfragen – z.B. wie wahrscheinlich ist es, dass der Hersteller eines Vitaminpräparates für Kinder dir versichert, dass Kinder keine Nahrungsergänzungsmittel brauchen? 😉

Quellen

 

Beitrag teilen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on print
Share on email
Scroll to Top